Das Projekt
Januar 10th, 2010 von
theaterinmalawi
Auf ihrer Jurysitzung hat die Kulturstiftung des Bundes im Rahmen des Fonds „Wanderlust” dem Projektantrag des Theaters Konstanz zugestimmt, eine auf drei Jahre konzipierte Zusammenarbeit mit Nanzikambe Arts in Blantyre im südostafrikanischen Malawi mit insgesamt 150.000 Euro zu fördern. Bodensee und Malawisee werden in der Zeit des Projektes „Crossing Borders - von See zu See” ein Stück näher rücken.
Innerhalb dieser Zusammenarbeit soll ein intensiver Austausch von Künstlern, Inszenierungen und Impulsen erfolgen. Schauspieler, Regisseure, aber auch Techniker sollen das jeweils andere Theater kennenlernen und sich dadurch auseinandersetzen mit einer anderen Kultur, einer anderen Form von Theater und mit einem anderen Verständnis von Kunst.
Neben dem Austausch von „Theatermenschen” werden im Jahr 2011 zwei Inszenierungen ausgetauscht. Ein Stück von Nanzikambe Arts wird im Juni 2011 zu Gast am Theater Konstanz sein, während eine Inszenierung des Konstanzer Hauses im Juli 2011 in Malawi gastiert. Das Herzstück der Zusammenarbeit wird ein gemeinsames Stück sein, das beide Theater mit einem gemischten Ensemble zur Uraufführung bringen. Dieses Stück wird durch einen kontinuierlichen Workshop konzipiert und geschrieben, der bereits im Sommer 2010 beginnt und aus zwei Autoren und zwei Regisseuren - jeweils einem aus jedem Land - zusammengesetzt sein wird.
Inhaltlich werden sich beide Theater mit der Neuordnung der Welt durch Effekte der Globalisierung und Finanzkrise beschäftigen. Migration, Überalterung, Ängste und Vorurteile vor Zuwanderung sowie Integration sind ständig kontrovers diskutierte Themen in Deutschland. Die Veränderung der Nationalstaatlichkeit, die Neuorientierung internationaler Wirtschaftskonzerne verändern sukzessive das Gesicht unseres Landes. Gleichzeitig ist Malawi durch ähnliche Phänomene heftigen Umbrüchen unterworfen. Die Finanzkrise führt internationale Konzerne zu einem Rückzug ihres Engagements in Afrika, die Krisen in Nachbarstaaten und die Globalisierung öffnet Grenzen und führt zu Flüchtlingsströmen, die durch das Land ziehen. Vor diesem Hintergrund fragen wir in beiden Staaten nach dem Bild des jeweils anderen Landes, nach Stereotypen und nach Utopien. Fragen nach Parallelen in der gesellschaftlichen Entwicklung, nach Umbrüchen und Gegensätzlichkeiten. Dieses Feld genau zu definieren und fruchtbar zu machen, ist eine der Aufgaben des Workshops der Autoren und Regisseure.
Der Grundstein für die Zusammenarbeit wurde auf einer Sondierungsreise eines Teams des Theaters Konstanz gelegt, das auf Einladung des Goethe-Instituts im Juni 2009 zu Gast bei Nanzikambe Arts war. Hier wurde in einem Workshop zu Brecht ein gemeinsames Arbeiten probiert und das Projekt ausformuliert. Es soll ein Austausch „auf Augenhöhe” sein, kein Entwicklungshilfeprojekt zur Förderung afrikanischen Theaters. Das Ziel ist, dass die Künstler des Theaters Konstanz genauso viel von den malawischen Theatermachern lernen wie diese von den deutschen.





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