Theater Konstanz beendet Malawi-Tournee

Juli 29th, 2011 von theaterinmalawi

Die letzte Vorstellung von “Nkhata Bay - Inventing Parzival” im Madsoc Theatre in Lilongwe war malawisch. Das kleine Theater mit seinem morbiden Charme war ein wunderbarer Ort für die Aufführung. Nach einer Freilichtbühne und einem Mehrzweckraum nun ein veritables Theater mit Bühne, Seitenbühne, ein paar Handzügen, einer Garderobe und Maske, im Foyer wird Green verkauft. Die Pächter fahren mit dem Pick-up vor und laden Dutzendweise Bierkästen aus - “für heute Abend! Es wird sicher voll!”

Da allerdings haben sie sich getäuscht. Die Ängste sind noch groß im Land. Von der weißen Community und den NGO-Mitarbeitern, die normalerweise den Großteil des Publikums ausmachen, kommt niemand. Wir beginnen die Vorstellung nach Malawi-Time, also +40 Minuten. Und trotzdem sind nur 28 Leute im Zuschauerraum. Man geht nicht aus in diesen Tagen und schon gar nicht in diese Area - Lilongwes Stadtteile sind in Areas aufgeteilt. Aber die Spiellust auf der Bühne ist ungebremst. Die Schauspieler freuen sich. Dann schon nach 5 Minuten ein Stromausfall. In diesem Theater ein echtes Problem, da es wirklich stockduster ist. Man sieht die Hand nicht vor Augen, schon gar nicht etwaige grün leuchtende Notausgangsschilder …

Die Schauspieler aber sind in den zwei Wochen “afrikanisiert” und lassen sich nicht aus der Ruhe bringen. Eine Taschenlampe geht auf der Bühne an, und die Spieler reichen sie von Hand zu Hand, je nachdem, wer gerade Text hat. Im Zuschauerraum leuchten derweil die Handys auf. Nicht zum Telefonieren - ausnahmsweise - sondern um zur Tür zu leuchten. Menschen verschwinden im Dunkeln und tauschen kurz danach mit Kerzen wieder auf. Es dauert nur wenige Minuten, dann steht auf der Bühne ein Meer aus Kerzen - gerne auch direkt an den Vorhängen; die Sicherheitsbestimmungen sind nicht so streng.

Die Vorstellung geht ungehindert weiter. An der Stelle “Fear - I fear power-cuts during the peformance” gibt es natürlich einen Riesenlacher. Auch sonst mischt sich das Publikum gerne ein - als Yannick sagt, “now I am a knight”, kommt die Bestätigung von unten “yes, Perceval, you are!” Wieder Lacher, auch von der Bühne. Mit dieser Aufführung verabschiedet sich das “Nkhata-Bay”-Ensemble aus Afrika. Zikomo. Malawi!

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Heute letzte Vorstellung in Lilongwe

Juli 24th, 2011 von theaterinmalawi

Das Theater Konstanz ist gestern, wie geplant, nach Lilongwe gefahren. Wir haben die Hauptstadt am Nachmittag mit dem letzten Rest Benzin erreicht und das Bühnenbild am Madsoc Theater ausgeladen. Das Madsoc ist ein kleines, feines Theater in klassischer Bauweise - Foyer, Zuschauerraum, Bühne, Gassen, Seitenbühne, Garderoben. Wir freuen uns, hier zu spielen. Es wird hoffentlich eine schöne Derniere, denn mit der dritten Vorstellung in Malawi ist das Stück “Nkhata Bay - Inventing Parzival” nun abgespielt. Da die Lage in Lilongwe ruhig ist, können wir auf mehr Publikum als am 20.Juli in Zomba hoffen.

Von den Unruhen der vergangenen Tage ist in der Stadt nichts mehr zu sehen, sehr wohl aber zu spüren. Die Atmosphäre ist durchaus aufgeheizt, auch wenn der Alltag in den Straße wieder Einzug gehalten hat. Auch durch den Hauptstadtcharakter ist die Situation in Lilongwe anders, als in den anderen Städten des Landes. Die Schere zwischen den verschiedenen, oft wohlhabenden Communities - besonders die asiatische ist hier sehr stark vertreten - und der zuziehenden malawischen Bevölkerung ist größer. Westliche Komplexe und Refugien sind zahlreicher, gleichzeitig wirkt die Stadt anonymer und monotoner.

Die letzten Nachrichten machen nicht viel Mut für eine dauerhafte Aussöhnung und einen friedlichen politischen Dialog. Zwar verkündete der Präsident am Donnerstag, er sei zu Gesprächen mit der Opposition bereit, um gemeinsam nach konstruktiven Lösungen zu suchen. Doch schon gestern stellte sich heraus, dass er die Veranstalter der Protestmärsche nun wegen Verrats gerichtlich belangen will. Sicher keine Grundlage für konstruktive Gespräche, eher Anlass zu weiteren Auseinandersetzungen auf der Straße.

Gleichzeitig wurden die Toten der Unruhen bestattet. In Mzuzu geschah das in Form eines öffentlichen Aktes, wie man ihn aus dem Nahen Osten kennt. Die Särge wurden durch die Straßen getragen und nebeneinander aufgereiht. Tränen und Wut standen in den Gesichtern der Menschen geschrieben, die daran teilnahmen und die man in den Zeitungen sehen kann.

Wir verbringen einen letzten gemeinsamen Tag in Malawi. Morgen reist ein Teil der Gruppe zurück nach Deutschland, ein anderer bleibt privat noch einige Tage im Land. Reflektiert man die letzten zwei Wochen, war diese Tournee überaus eindrücklich. Wegen der Vorstellungen und der Reaktionen darauf in einem anderen Land, wegen der Unruhen, die uns direkt betroffen haben, und weil das Zusammenwachsen mit dem Nanzikambe Team immer weiter voranschreitet und aus zwei Theatergruppen tatsächlich eine wird. Wir alle haben das Gefühl, Teil eines großartigen Projektes zu sein, von dem alle profitieren.

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Beruhigung der Lage nach weiteren Unruhen

Juli 22nd, 2011 von theaterinmalawi

 

Die Proteste am 20. Juli wurden blutig. In allen größeren Städten gingen die Menschen auf die Straße. Die Victoria Avenue in Blantyre war mit protestierenden, rot gekleideten Leute gefüllt, Bilder aus Lilongwe zeigen Masen von Menschen auf den Straßen. Auch in den anderen Städten gingen die Märsche bis in den Abend hinein. Autoreifen brannten, die Polizei setzte Tränengas ein. Die Ausnahmesituation nutzten leider auch Kriminelle für Plünderungen in einigen Stadtvierteln. Supermärkte und andere Geschäfte wurde aufgebrochen und ausgeraubt. Die Lage war teilweise außer Kontrolle. Auf mehrere Leute wurde geschossen. In Blantyre soll auch die Armee präsent sein.

 

 

Am Donnerstag gingen die Unruhen weiter. Alle Geschäfte blieben geschlossen, das öffentliche Leben stand weiter still. In allen größeren Städten gingen die Menschen wieder auf die Straßen, diesmal allerdings nicht mehr als Teil des angemeldeten politischen Protestmarsches. Die Ausschreitungen wurden schlimmer. Insgesamt starben 18 Menschen in Mzuzu, Lilongwe, Blanytre und Karonga. Die Zufahrt nach Lilongwe war unmöglich. Am späten Nachmittag riefen die Organisatoren des Protestmarsches dazu auf, Frieden zu bewahren und Ruhe wieder einkehren zu lassen. Alle weiteren Aktionen seien nicht mehr Teil ihres politischen Protestes.

Auch unsere Theatertournee war natürlich davon betroffen. Am Mittwoch in Zomba spielten wir zwar im Little Theatre, allerdings nur vor wenigen Menschen. Die Universität war wie ausgestorben. Nur die auf dem Campus lebenden Studenten waren dort. Die Leute hatten massiv Angst zum Theater zu kommen, viele riefen an und fragten nach der Sicherheitslage. Auch gab es an diesem Tag natürlich andere Diskussionen als die über eine Theateraufführung aus Deutschland.

Am Donnerstag wollten wir die kommissarische deutsche Botschafterin in Lilongwe treffen. Doch auf dem Weg wurde schnell deutlich, dass wir durch die Stadt niemals die Botschaft erreichen würden und die Unruhen andauerten. In einem Telefonat mit der Botschafterin sagten wir das Treffen ab, mieden Lilongwe weiträumig und fuhren an den Malawisee. In einer kleinen, schönen Exklave erreichen uns hier die Nachrichten aus dem Land nur noch über das Radio und durch Telefonanrufe beim Nanzikambe Team. Die Meldung der 18 Toten traf uns auch hier ins Mark.

Am heutigen Freitag Vormittag scheint sich die Lage zu beruhigen. Wir hören, dass die Geschäfte wieder öffnen und der Alltag wieder einzieht. Es sieht derzeit so aus, als könnten wir morgen wie geplant nach Lilongwe reisen. Auf die politischen Nachbeben dieser Tage darf man in Malawi gespannt sein.

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Politische Lage in Malawi spitzt sich zu

Juli 20th, 2011 von theaterinmalawi

Der heutige Mittwoch ist der Tag der landesweiten Demonstrationen gegen die Politik des Präsidenten und der Regierung. Rot ist die Farbe des Protestes, und so sind die Straßen voller Menschen mit roten T-Shirts oder Kopftüchern. Spannung liegt in Zomba in der Luft. Es ist ganz eindeutig kein normaler Tag. Die Geschäfte sind alle geschlossen, das öffentliche Leben kommt zum Erliegen, die Universität ist menschenleer. Gleichzeitig ist die Polizei überpräsent, kontrolliert alle Straßenecken und Zufahrten in die Städte. Kein Wunder - dies ist die erste Demonstration gegen die Regierung seit dem Ende der Banda-Diktatur vor fast 20 Jahren.

Die Demonstrationen sind seit langem vorbereitet, die großen Tageszeitungen, die die Politik der Regierung sehr kritisch betrachten, schreiben seit Tagen ausführlich über die Situation und die Aktionen am heutigen 20. Juli. Der Präsident wehrt sich nach Kräften. Er hielt sich bis zuletzt vor, die Demonstrationen zu verbieten, bereitet die Verhaftung der Vizepräsidentin Joyce Banda vor, die sich positiv über die Proteste geäußert hat und damit auf Abstand zu Präsident Bingu wa Mutharika gegangen ist.

Hinzu kommt, dass die britische Regierung vor einer Woche Finanzhilfen für Malawi (und viele andere Staaten) eingefroren hat und der britische Botschafter nach London meldete, der Präsident werde zunehmend autokratischer und kritikresistenter. Diese Nachricht gelangte an die Öffentlichkeit, woraufhin der Präsident die britische diplomatische Delegation des Landes verwiesen hat; Großbritannien wies daraufhin auch die malawische Delegation aus London aus. Internationale Spannungen sind die Folge.

Die Situation im Land und die Benzinkrise sind so gravierend wie seit 20 Jahren nicht mehr, sagen die Menschen hier. Für die Fahrt von Blantyre nach Zomba, die nur rund 50 Kilometer lang ist, war kein Benzin zu bekommen. Das Nanzikambe-Team benötigte einen ganzen Tag, um Benzin für die Fahrt zu organisieren. Erst spätabends konnten wir die Fahrt antreten, die für frühmorgens geplant gewesen war. Alle Tankstellen stehen leer, verkauft eine doch Benzin, bilden sich unglaubliche Autoschlangen, die sich mehrfach um die Blocks ziehen. Die täglichen extensiven Stromausfälle sind darüber hinaus Zeugen der Energieknappheit im Land.

In der heutigen The Nation ist eine Karikatur zu sehen, die den Präsidenten mit einer Sprechblase zeigt, in der er sagt: “Lasst meine Arbeit für mich sprechen” - ein Zitat aus einer seiner Reden anlässlich seines Regierungsantritts. Vor ihm auf dem Schreibtisch türmen sich die Nachrichten: No Water, no Electricity. No Fuel, UK Envoy expelled, No Forex, Chanco closed (Chanco ist das Chancellor College, die Universität des Landes), Poor Tobacco prices. Ein Scherbenhaufen. Die Lage im Land ist ernst.

Auch gestern schon lag Spannung in der Luft. Nichts ging mehr in Blantyre. Durch die Victoria Avenue, die Hauptstraße der zweitgrößten Stadt des Landes, fuhren hellblaue Pick-ups mit jugendlichen Anhängern der Regierungspartei DPP. Sie schärften Macheten und skandierten “If you critise Bingu we will deal with you! If you attack government, we will deal with you.” Der Tag vor den Demonstrationen gehörte denen, die Angst verbreiten wollen. In der heutigen The Nation sind die Nummernschilder der blauen Trucks aufgelistet, die alle der Regierungspartei gehören. Die Regierung beeilt sich daraufhin zu verkünden, sie habe keine Kenntnis von der Aktion gehabt.

Heute dann kommen die Nachrichten aus dem Radio. Geplant sind friedliche Märsche durch die großen Städte Lilongwe, Blantyre, Mzuzu, Zomba, hin zu den jeweiligen Regierungssitzen der Provinzen, um dort Protestnoten zu übergeben. Die ersten Meldungen treffen am späten Vormittag ein: In Blantyre verliefen die Demonstrationen friedlich, die Leute sängen in Chören und die Polizei eskortiere die Gruppen. In Mzuzu hingegen setze die Polizei bereits Tränengas gegen die Menschen auf der Straße ein. Auf diese Nachricht hin sei die Situation in Lilongwe eskaliert. Demonstranten würden Autos verschiedener Politiker umwerfen und versuchen, das Haus eines MP mit Steinen zu bewerfen. Die Polizei sei dazwischen gegangen. In Zomba sammeln sich die Leute im Zentrum der Stadt. Die Polizeisperren versuchen, Rotgekleidete durch Kontrollen einzuschüchtern und aufzuhalten. Der Tag ist noch lang. Man hat das Gefühl, es könne noch so einiges passieren.

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Über Hymnen und Demonstrationen

Juli 19th, 2011 von theaterinmalawi

Die Kritiken unserer Aufführung sind da. Beide großen malawischen Tageszeitungen haben “Nkhata Bay - Inventing Parzival” sehr positiv rezensiert, jeweils ganzseitig mit Fotos. Insbesondere der Artikel der The Daily Times ist sehr reflektiert und endet mit hymnischem Lob für die Auffühung: “As the actors take the final bow, the audience erupts into electric chants of ecstasy”. Das freut unser Team sehr und fast noch mehr das Nanzikambe Team, da es nicht nicht üblich ist, dass beide großen Zeitungen ihre Inszenierungen besprechen. Wunderbar. Und die Sonne scheint auch in Blanytre und wärmt während der Tagesstunden.

Ob sie das auch am morgigen Mittwoch tun wird? Morgen finden nämlich landesweit und wohl erstmalig große Demonstrationen gegen den Präsidenten und seine Regierung statt. Der Hintergrund ist die in den Augen vieler verfehlte Devisenpolitik, die, gekoppelt mit seiner Null-Schulden-Politik, zu den Engpässen beim Benzin und zu vielen anderen Schwierigkeiten führt. Dagegen will die Bevölkerung in den drei großen Städten protestieren - Blantyre, Zomba, Lilongwe. Wir werden morgen in Zomba sein und die Demonstrationen live miterleben. Die Gegner der Regierung tragen Rot als Symbolfarbe. Der Präsident hat dazu aufgerufen, sich an den Protesten nicht zu beteiligen. Und vor dem Hintergrund der Umstürzen in der nordafrikanischen Staaten wäre es ja nicht erstaunlich, wenn die Regierung mit Härte gegen die Demonstranten vorginge.

 

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Heute ist Premiere!!!

Juli 16th, 2011 von theaterinmalawi

Today is Opening Night!! Die Spieler sind nervös, als hätten sie “Nkhata Bay - Inventing Parzival” noch nie gespielt. Kein Wunder. Heute ist die Premiere in Malawi. Ein ganz anderes Publikum, eine andere Sprache, eine neue Bühne. Textprobe am Morgen auf der Terrasse der Kabula Lodge. Die sonnigen Tage sind leider wieder vorbei. Seit gestern pfeift ein kalter Wind über das Land und der Himmel ist verhangen. Doch die Spieler sind ganz bei der Sache, konzentrieren sich auf die ungewohnt klingenden Worte. Einer ist gehandicapt - der Magen rebelliert, nachts Fieber -, aber natürlich will er auf die Bühne! Auch die Kisten sind fertig. Viktoria, unsere Ausstatterin hat mit ihrem local carpenter team ganze Arbeit geleistet.

Nun müssen sie nur noch kommen - die 300 Zuschauer…!

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Von NGOs und Greens im Freien

Juli 15th, 2011 von theaterinmalawi

Das Recherche-Team hat sich gestern mit einigen Vertretern verschiedener NGOs getroffen - also mit nicht-staatlichen Entwicklungshilfeorganisationen -, um für das Stück “Welt 3.0 - Maschinerie Hilfe” (Premiere im Sommer 2012) Informationen zu sammeln. Diese NGOs waren malawisch und arbeiten für Aufklärung im Gesundheits- und im politischen Bereich. Sie haben uns erklärt, wie die Strukturen in malawischen Dörfern funktionieren. Am spannendsten aber war vielleicht die Antwort auf die Frage nach den Entwicklungshilfemitteln einiger EU-Staaten. Der Hintergrund ist der, dass Deutschland, wie auch Großbritannien und Frankreich ihre Entwicklungshilfemittel für Malawi eingefroren haben als Reaktion auf die Einschränkung der Pressefreiheit durch Präsident Bingu wa Mutharika Anfang des Jahres. Die einfrorenen Mittel, hört man “aus gut unterrichteten Kreisen”, fließen mittlerweile nach Nordafrika, dessen Länder stärker im Fokus stehen. Und so war die Frage, ob die fehlenden Mittel Auswirkungen auf die Politik oder die Entwicklung des Landes Malawi haben. Unsere Gesprächspartner sahen das sehr eindeutig. Die Politik bleibt davon unberührt, aber die Entwicklungshilfeprojekte im Land, die von europäischen Mitteln finanziert werden, werden gestoppt. Gerade natürlich in den Dörfern, in denen 80% der Bevölkerung des Landes leben und die am ärmsten sind. Die Wasserversorgung, Gesundheitsaufklärung usw. sind also davon vorrangig betroffen. Ob das im Sinne der Sanktionen ist?

Doch reden wir von anderem. Um halb sechs ist es dunkel. Was kann man abends machen? Man geht essen und danach oder genauer und dabei was trinken. Nanzikambe hat einen neuen Ergeiz entwickelt - nämlich uns alle Restaurants und Bars von Blantyre zu zeigen. Da haben sie sich viel vorgenommen. Gestern zum Beispiel war Dougal’s dran. Ein typischer Treff europäischer Reisender, NGO-Arbeiter und Einheimischer, die mit ihnen in Kontakt kommen wollen. Man sitzt und man bestellt was zu essen, prostet sich mit einem Green zu. Man sitzt im Freien. Es gibt keinen Innenraum, nur ein großes Dach, das vor Regen schützt. Im Oktober sicher super, denn auch einen Pool gibt es dort. Aber im Juli ist es doch ein wenig kalt. Was zu merkwürdigen Anblicken führt: Menschen im T-Shirt mit einem Regencape um Schultern und Kopf. Menschen im Anzug mit dicken Winterhandschuhen, Menschen mit ungefähr zehn Jacken übereinander. Jeder findet einen Weg. Und dazu gibt es Greens.

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Riesiger Medienhype in Malawi

Juli 14th, 2011 von theaterinmalawi

Das Gepäck ist da. Die Requisiten auch. Die Proben laufen. Die Kisten werden gezimmert. Alles läuft auf Hochtouren für die Vorstellung am Samstag. Der Spielort bei Nanzikambe Arts fasst ca. 300 Menschen. Damit die auch alle kommen, hat Media Officer Mphundu Mjumira einen Riesenhype in den malawischen Medien organisiert. Als Dramaturg gehe ich auf die Tour, während die Produktion weiter an der Aufführung feilt. Wir fahren zunächst zu 102.5 Capital FM - Leute, stellt euer Internet live-stream auf diesen Sender um, das ganze Land wird nun immer mit Ankündigungen und Interviews beschallt. Gleiches gilt für MBC Radio 2, unsere nächste Station. Es ist erstaunlich, wie interessiert die Medien hier an unserer Kooperation und unserer Aufführung sind. Wir schaffen es sogar ins Fernsehen. Im Empfangsraum von Malawi Broadcasting Service läuft der Live-Bericht einer Rede des Präsidenten. Bald auch die Berichterstattung über unsere Kooperation!

Und auch die Arbeit am Stück “Welt 3.0″ geht weiter. Heute Nachmittag treffen wir Mitarbeiter verschiedener NGOs, um mit ihnen über ihre Arbeit im Land zu sprechen.

Ach ja, die Sonne scheint auch wieder. Und die dickste Winterjacke kann zuhause bleiben…

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In Malawi - aber wo ist das NoBite und wo das Benzin?

Juli 14th, 2011 von theaterinmalawi

Es ist kalt in Blantyre. Wir sitzen nachts auf der Terrasse der Kabula Lodge und frieren. Frieren, weil die Reise lang war und wir müde sind, und weil die warme Kleidung fehlt. Keine warmen Sachen mitgenommen? Falsch. Sie sind nur noch in Addis Abeba. Unser Team flog in zwei Gruppen, eine über Johannesburg, eine über Addis Abeba. Diese Maschine rollte zur Startbahn in Frankfurt, gab Vollgas - und musste den Start abbrechen… Merkwürdige Geräusche am Flugzeug der Ethiopian Airlines. Zurück zum Terminal. Zwei Stunden lang untersuchen Ingenieure die Maschine, dann startet sie zum zweiten Mal. Und dieses Mal gelingt es. Doch für das Umsteigen in Addis Abeba bleibt so wenig Zeit, dass das Gepäck nicht mitkommt. Und so stehen vier von uns in Lilongwe am Flughafen ohne Gepäck und ohne Requisiten für die Proben und die Aufführungen. Das Gepäck soll morgen nach Lilongwe kommen und das Nanzikambe Team organisiert den weiteren Transport nach Blantyre. Wir alle hoffen, dass es Mittwoch ankommt. Hoffentlich.

Und so sitzen wir alle spät nachts auf der Terrasse, froh, die lange, lange Reise hinter uns zu haben, trinken ein oder zwei Green und frieren, weil die warmen Sachen im Gepäck fehlen. Ebenso wie die Zahnbürsten, die Malarone-Tabletten, das No Bite, der Akkuschrauber und die Scharniere, die wir für den Nachbau der Kisten brauchen.

Am Flughafen gab es ein herzliches Wiedersehen mit Thoko und Mphundu, die uns abholen und nach Blantyre bringen - eine fünf Stunden lange Fahrt durch die Dunkelheit. Manche Dinge kommen uns bekannt vor: Es gibt wieder kein Benzin im Land. Der Regierung fehlen die Devisen, das Benzin anzukaufen, und so sind unsere Gastgeber auf der Suche nach Quellen auf dem Schwarzmarkt oder nach der einen Tankstelle, die doch noch Benzin hat. Natürlich sind sie zuletzt erfolgreich. Während wir am Flughafen noch Formalitäten erledigen, füllt sich der Tank. Und los geht es. Nach Blantyre. Durch unzählige Straßensperren der Polizei, bei denen zwei Polizisten neben einem Lagerfeuer am Straßenrand sitzen. Es ist kalt (sagte ich das schon?), überall der Geruch brennenden Holzes, Trucks, die an uns vorbei donnern, Straßenhändler mit gebratenen Mäusen. Es ist schön, hier zu sein.

Wir schlagen eine Zeitung auf und finden eine Format füllende Ankündigung unserer Gastspiele und unseres Theaters. Nanzikambe war sehr erfolgreich in der Pressearbeit. In jeder großen Zeitung des Landes sind wir vertreten. Die Leute hier sind neugierig auf die Menschen aus Deutschland, sagen Thoko und Mphundu. Und so steigt die Aufregung unter den Schauspielern, vor denen noch einige Proben liegen - auf Englisch. Und das ist ungewohnt für unser Team. Nanzikambe hat eine neue Bühne bezogen, und wir werden sie einweihen. “Nkhata Bay - Inventing Parzival” ist die erste öffentliche Aufführung auf der neuen Bühne von Nanzikambe Arts. Wir freuen uns darauf, dort zu spielen.

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Konstanzer Premiere von C. Bechtels „Nkhata Bay – Inventing Parzival“

April 7th, 2011 von theaterinmalawi

Der Kampf mit Vorurteilen

“Nkhata Bay – Inventing Parzival” feiert am Freitag Premiere im Landesmuseum. Regisseur Clemens Bechtel und Dramaturg Thomas Spieckermann sprechen über das malawische Theaterprojekt.

Hier zum Artikel im Südkurier

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